Juni 4, 2026

Das Wiederbeleben eines süssen Erbes

Die historische Schokoladenmarke CimaNorma soll neu belebt werden – als Brücke zwischen Schweizer Schokoladenerbe, alpiner Handwerkskunst und zeitgemässer Innovation. Abouzar Rahmani, Gründer von FoodYoung und ZHAR SA, erklärt, was ihn an der Marke fasziniert, welche Rolle die alte Fabbrica im Bleniotal künftig spielen soll und warum die Zeit reif ist für eine neue Wertschätzung von echter Schokolade.

 

UnternehmerZeitung, mm

 

Abouzar Rahmani, was hat Sie an CimaNorma als Erstes fasziniert?

 

Zunächst war es das Gebäude selbst. Die Grösse und Ausstrahlung dieser ehemaligen Schokoladenfabrik in einem so abgelegenen Alpental wirkten fast surreal – irgendwo zwischen einer Willy-Wonka-Geschichte und einem vergessenen Industriepalast. Dann entdeckte ich die aussergewöhnlichen Verpackungsdesigns, die über die Jahrzehnte hinweg die künstlerischen Strömungen ihrer Zeit widerspiegelten: vom Historismus über den Jugendstil und Art déco bis hin zur Nachkriegsmoderne und zum Mid-Century-Design. Schliesslich faszinierte mich die unglaubliche Vielfalt an Produkten und Rezepturen, die das Unternehmen über Jahrzehnte entwickelt hatte.

 

Warum ist jetzt der richtige Moment, die Marke wiederzubeleben?

 

Konsumentinnen und Konsumenten verstehen zunehmend den Wert und die Vorteile von Kakao. Sie beginnen, echte Schokolade bewusster von zuckerhaltigen Süsswaren zu unterscheiden. Gleichzeitig steigen die Kakaopreise weltweit. Dadurch wird Schokolade wieder stärker zu einem Produkt, das man respektiert und schätzt – und nicht einfach beiläufig konsumiert. Das schafft eine besondere Chance für authentische Traditionsmarken wie CimaNorma, die ihre Seele nicht verloren haben.

 

Abouzar Rahmani, Gründer von FoodYoung und ZHAR SA. (Bildcredit: FoodYoung und ZHAR SA x CimaNorma; zVg)

 

Was bedeutet CimaNorma für das Schweizer Schokoladenerbe?

 

CimaNorma steht für ein einzigartiges Kapitel der Schweizer Schokoladengeschichte. Die Marke ist in Dangio-Torre im Bleniotal verwurzelt – an einem Ort, der sich an der Schnittstelle jener Wege befindet, über die Schokoladentraditionen aus Italien in die Schweiz gelangten. CimaNorma verband Schokolade auf besondere Weise mit Kunst, Design und Kultur der jeweiligen Epoche. Gleichzeitig vereint die Marke zwei bemerkenswerte Geschichten: das Erbe der Familie Cima, das bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht, und die Zürcher Marke Norma aus dem frühen 20. Jahrhundert. CimaNorma belieferte einst europäische Eliten, den Vatikan und die Schweizer Armee.

 

Welche Rolle spielt Ihr Unternehmen FoodYoung in diesem Projekt?

 

FoodYoung ist die Innovations- und Forschungsplattform hinter der Wiederbelebung. Wir entdecken historische Rezepte und Formate neu, entschlüsseln die DNA der Marke und bringen einen avantgardistischen Geist zurück in die Kategorie Schokolade – sowohl durch vom Erbe inspirierte Kollektionen als auch durch zeitgenössische Kreationen.

 

Und was trägt ZHAR als Venture Studio bei?

 

ZHAR verantwortet die Wiederbelebung der Markenidentität, der Philosophie und der langfristigen Vision. Unsere Aufgabe ist es, die Vergangenheit zu respektieren und die Marke gleichzeitig in die Zukunft zu führen. CimaNorma soll authentisch bleiben – und zugleich relevant für eine neue Generation werden.

 

A lot of heritage – die wundervollen traditionellen Verpackungen von CimaNorma. (Bildcredit: FoodYoung und ZHAR SA x CimaNorma; zVg)

 

Wofür soll die restaurierte Fabbrica künftig stehen?

 

Die Fabbrica soll zu einem Ort mit zwei Funktionen werden: einerseits zu einem Heritage Chocolate Atelier, das traditionelle Rezepte und handwerkliches Können bewahrt; andererseits zu einem avantgardistischen Innovationszentrum für Schokolade, das in Zusammenarbeit mit FoodYoung Labs entwickelt wird.

 

Was ist die Idee hinter der Heritage Collection?

 

Die Heritage Collection lässt Rezepte, Formate und Verpackungsdesigns wiederaufleben, die durch Jahrzehnte der Massenkommerzialisierung verschwunden sind. Sie feiert Produkte wie Racahout, klassische Schweizer Milchschokolade, Gianduja und ikonische Kreationen wie Normandina. Gleichzeitig bewahrt sie die künstlerische Sprache der historischen Verpackungen aus den verschiedenen Epochen.

 

Unterscheidet sich die neue Contemporary Collection von der klassischen Schweizer Schokolade?

 

Die Contemporary Collection erforscht die Zukunft der Schokolade. Dazu gehören unraffinierte Zucker, pflanzenbasierte Optionen, Schokolade mit hohem Polyphenolgehalt und weitere zukunftsorientierte Innovationen. Entscheidend bleibt aber immer: Der Geschmack steht an erster Stelle.

 

La Fabricca: Das schöne Produktionsgebäude mit viel Geschichte. (Bildcredit: FoodYoung und ZHAR SA x CimaNorma; zVg)

 

Was zeigt die Zusammenarbeit mit Urth Caffé in Los Angeles?

 

Sie zeigt, dass es eine starke Wertschätzung für Schweizer Qualität, authentisches Storytelling und saubere Zutaten gibt. Ein traditioneller Gianduja kann beispielsweise mit unraffiniertem Zucker, biologischem Single-Origin-Kakao und pflanzenbasierten Zutaten hergestellt werden – und dennoch aussergewöhnlich gut schmecken. Geschmack kommt immer zuerst.

 

Welche Vision steht hinter dem geplanten Chocolate Resort?

 

Das Chocolate Resort ist die zweite grosse Säule des Projekts. Es verbindet Schweizer Schokoladenkultur mit der Schönheit, Ruhe und Wellness-Tradition der Südschweiz. Unsere Vision ist es, das weltweit erste luxuriöse, wellnessorientierte Swiss Chocolate Resort zu schaffen – einen Ort, an dem Erbe, Gastronomie, Natur und Wohlbefinden zusammenkommen.

 


 

Hier gibt es mehr Informationen: cimanorma.com

 


 

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