«Der Zahlungsverkehr muss einfacher, sicherer und intelligenter werden»
Die Payment-Branche steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Bernhard Lachenmeier, seit letztem Jahr Managing Director von Worldline Schweiz, erläutert im Interview, wie das Unternehmen auf neue Technologien, veränderte Kundenbedürfnisse und steigende Anforderungen an Sicherheit und Transparenz reagiert – und warum die Schweiz dabei eine Schlüsselrolle spielt.
Von Matej Mikusik
Bernhard Lachenmeier, wie erlebten Sie die ersten Monate an der Spitze von Worldline Schweiz, und welche Schwerpunkte haben Sie sich gesetzt?
Die ersten Wochen bzw. Monate waren intensiv, aber vor allem inspirierend. Worldline Schweiz ist technologisch stark aufgestellt, verfügt über engagierte Mitarbeitende und versteht die Bedürfnisse des Schweizer Marktes sehr gut. Die Payment-Branche befindet sich derzeit in einem tiefgreifenden Wandel – eine Herausforderung, die wir als Chance begreifen. Unser Fokus liegt klar auf Kundennähe, technologischer Exzellenz und Partnerschaften, die echten Mehrwert schaffen – sei es mit Händlern, Banken oder Fintechs. Gleichzeitig setzen wir bewusst auf Swissness: Worldline Schweiz ist nicht nur eine Marke, sondern ein Qualitätsversprechen. Wir bieten globale Technologien mit Schweizer Präzision, Sicherheit und Innovationskraft.

Was ist das Ziel?
Gemeinsam mit meinem Team möchten wir Worldline Schweiz weiterhin als erste Adresse für Payments sehen – als Anbieterin von Lösungen, als Innovationstreiberin und als attraktive Arbeitgeberin. Wir engagieren uns aktiv für den Standort Schweiz, zum Beispiel bei der Ausbildung junger Talente oder durch Kooperationen mit lokalen Partnern, um unsere Verankerung im Schweizer Ökosystem zu stärken.
Digitalisierung und neue Technologien verändern die Zahlungswelt rasant. Welche Trends prägen den Schweizer Zahlungsverkehr derzeit, und wie reagiert Worldline darauf?
Aktuell prägen mobile Zahlungen, eingebettete Payment-Lösungen und die Demokratisierung der Bezahlarten den Markt. Kundinnen und Kunden möchten jederzeit, überall und mit jeder gewünschten Zahlart bezahlen können. Gleichzeitig gewinnen Technologien wie Künstliche Intelligenz, Echtzeit-Zahlungen und Self-Service-Lösungen an Bedeutung.
Das heisst für Sie konkret im Berufslalltag?
Worldline treibt diese Entwicklungen aktiv voran, etwa mit Tap on Mobile, SmartPOS oder Worldline Web. Diese Lösungen ermöglichen Händlern digitale, nahtlose Customer Journeys. Besonders kleine und mittlere Unternehmen profitieren von Plug-and-Play-Produkten, gebündelten Services und einem klaren Digital-first-Ansatz, während grössere Händler auf umfassende Omnichannel-Lösungen zurückgreifen können. So adressieren wir die individuellen Bedürfnisse vom Einzelhändler bis zum internationalen Konzern. Unser Ziel ist es, den Zahlungsverkehr einfacher, sicherer und intelligenter zu gestalten und unsere Marktposition in der Schweiz weiter zu stärken.
«Wir kombinieren technologische Exzellenz mit höchsten Standards in Datenschutz und Compliance, um Vertrauen bei Unternehmen und Endkunden zu schaffen.»
Bernhard Lachenmeier, Managing Director von Worldline Schweiz
Wie verbindet Worldline Innovation, Datenschutz und Sicherheit, sodass Unternehmen und Konsumenten Vertrauen haben?
In der Schweiz gehen Innovation und Sicherheit Hand in Hand – und genau diesem Prinzip folgt Worldline. Wir kombinieren technologische Exzellenz mit höchsten Standards in Datenschutz und Compliance, um Vertrauen bei Unternehmen und Endkunden zu schaffen. International setzen wir neue Standards, etwa mit QR-Code-Lösungen für globale Marken, die Komfort, Effizienz und Sicherheit verbinden. Gleichzeitig halten wir uns strikt an das Schweizer Datenschutzgesetz (DSG) und die DSGVO-Äquivalente. So entsteht ein Ökosystem, das Fortschritt fördert und Schweizer Werte widerspiegelt.
Zahlungsgebühren stehen immer wieder in der Diskussion. Wie positioniert sich Worldline, und wo sehen Sie Spielräume für Effizienz, Transparenz und Nutzerfreundlichkeit?
Der Anspruch auf Transparenz und gleichzeitig auf Einfachheit begleitet alle Diskussionen rund um Zahlungsgebühren. Beide sind wichtig, lassen sich aber nicht immer gleichzeitig vollständig umsetzen. Grundsätzlich setzen sich Gebühren aus vier Komponenten zusammen: Acquiring-Marge, Scheme-Gebühren, Processing-Kosten und Issuer-Gebühren (Interchange). Sie bilden die Basis für eine sichere, zuverlässige und innovative Zahlungsabwicklung.
Was heisst das für die Händler?
Für Händler ist es entscheidend, nachvollziehen zu können, wofür sie zahlen, und gleichzeitig von einem effizienten, reibungslosen Zahlungssystem zu profitieren. Eine Kombination der Gebührenkomponenten bestimmt auch die Innovationskraft für neue Bezahlformen wie beispielweise Wallet Payments. Effizienzsteigerungen und digitale Prozesse können helfen, administrative Aufwände zu reduzieren und gleichzeitig solch neue Zahlungsformen zu ermöglichen.
Welche Bedeutung hat die Schweiz im globalen Kontext von Worldline, und welche Rolle spielt der Standort als Innovationshub innerhalb der Unternehmensgruppe?
Die Schweiz spielt eine strategisch wichtige Rolle. Der Markt ist hoch fragmentiert, technologisch anspruchsvoll und innovationsfreudig – ideale Bedingungen, um neue Payment-Lösungen zu testen. Projekte, die hier erfolgreich sind, haben oft internationales Potenzial.
Können Sie aktuelle Projekte nennen, die international als Vorbild dienen?
Aktuelle Beispiele sind die Kooperation mit Wix und die Einführung von Tap on Mobile. Beide zeigen, wie digitale Payment-Lösungen rasch umgesetzt und praxisnah weiterentwickelt werden können. Durch gezielte Partnerschaften mit Schweizer Start-ups und internationalen Playern wie Mastercard stärken wir unsere Innovationskraft. So fungiert die Schweiz vielmals als Testfeld und Benchmark für globale Entwicklungen innerhalb der Worldline-Gruppe.

Welche Entwicklungen oder Marktveränderungen könnten für Worldline in der Schweiz in den kommenden Jahren zur grössten Herausforderung werden?
Technologisch beobachten wir unter anderem Direct-to-Bank- oder Direct-Debit-Modelle mit Echtzeit-Zahlungen sowie Blockchain-Anwendungen, die neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Mit dem Aufkommen des Agentic Commerce (vollautomatisierte, KI-gesteuerte Zahlprozesse) werden Zahlungen immer häufiger autonom ausgelöst – und das stellt neue Anforderungen an Infrastruktur, Sicherheit und Compliance. Gleichzeitig integrieren Unternehmen neue Bezahlformen zunehmend in die Ökosysteme sogenannter «Trusted Brands» wie Apple, Booking, Tesla oder BMW. Für Worldline bedeutet das, diese Entwicklungen aktiv zu gestalten und neue Partnerschaften einzugehen, die Vertrauen und Kundenerlebnis verbinden.
Welche Initiativen verfolgt Worldline, um Zahlungen nachhaltiger zu gestalten?
Im Rahmen des CSR-Programms «Trust 2025» verfolgen wir klare Nachhaltigkeitsziele. Dazu zählen die Reduktion der CO2-Emissionen um 25 Prozent – Scopes 1 & 2 – die Kompensation aller verbleibenden Emissionen und der Aufbau energieeffizienter Payment-Infrastrukturen. Zudem fördern wir digitale Lösungen wie elektronische Belege und optimierte Transaktionsprozesse, um Ressourcen zu schonen. Mit diesen Massnahmen will Worldline seine Rolle als Pionier für klimafreundliche und verantwortungsvolle Payment-Dienste weiter ausbauen und gleichzeitig den Kundinnen und Kunden konkrete Vorteile bieten.
Wie arbeitet Worldline mit Start-ups oder Fintechs zusammen, um innovative Lösungen für den Schweizer Markt zu entwickeln?
Worldline agiert bewusst nicht als Investor, sondern als strategischer Innovationspartner. Wir eröffnen jungen Unternehmen den Zugang zu einem breiten Markt und ermöglichen praxisnahe, skalierbare Lösungen. Dank unserer grossen Kundenbasis und tiefen Marktkenntnis sind wir für viele Start-ups in der Schweiz der bevorzugte Partner, wenn es darum geht, neue Technologien umzusetzen. Wir verbinden Innovation mit Schweizer Präzision.
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