Risiko erkannt, aber dann?
Unternehmen erkennen Risiken gut – doch die Priorisierung danach bei der Umsetzung der Massnahmen fällt schwer. Risiken für Unternehmen nehmen zu. Obwohl viele Führungskräfte die Gefahren erkennen, reagieren Organisationen zu langsam. Nur noch neun Prozent der Führungskräfte bezeichnen den Umgang mit Risiken als «sehr proaktiv». Vor einem Jahr waren es noch doppelt so viele (19 Prozent). Gleichzeitig geben 55 Prozent der Befragten an, dass das Tagesgeschäft die langfristige und vorausschauende Risikoplanung ausbremst. Das zeigt die neue Studie «Global Risk Landscape 2026» von BDO.
UnternehmerZeitung, mm
- Krise ist der neue Normalzustand: 80 Prozent der Führungskräfte sagen, dass die globale Risikolandschaft heute stärker als je zuvor durch Krisen geprägt ist. 68 Prozent beobachten zudem, dass sich Krisen schneller auf ihre Organisation auswirken als noch vor einem Jahr.
- Top-Risiken schwanken: Die Top-Risiken, auf die sich Führungskräfte zu wenig vorbereitet fühlen, sind Cyber, KI und Geopolitik. Letztes Jahr waren es regulatorische Risiken, der Talentpool und Lieferketten.
- Sorge um Cyberrisiken wächst: 40 Prozent der Führungskräfte geben an, dass ihr Unternehmen auf Cyberrisiken am schlechtesten vorbereitet ist, fast doppelt so viele wie letztes Jahr (23 Prozent). Die Ausgaben für Cybersicherheit steigen, aber Attacken werden schneller.
- Optimismus gegenüber KI nimmt zu: 66 Prozent sehen in Künstlicher Intelligenz eine Chance; gegenüber 57 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig bleiben Bedenken in Bezug auf Datenschutz, Compliance und Integration.
- Geopolitische Spannungen erhöhen den Druck: Politische Konflikte wirken sich auf Lieferketten, Regulierung und Technologie aus. Ein Viertel der Befragten zählt geopolitische Risiken zu den drei wichtigsten Risiken, auf die das eigene Unternehmen nicht ausreichend vorbereitet ist.
- Betrugsrisiken verlieren an Priorität: Trotz zunehmender KI-gestützter Betrugsformen stufen 93 Prozent Betrug nicht als Top-Risiko ein. Nur 13 Prozent überprüfen und aktualisieren ihre Schutzmassnahmen laufend. Im Vorjahr gaben 79 Prozent an, über einen Plan zur Abwehr von KI-gestütztem Betrug zu verfügen.
Schweizer Unternehmen besonders exponiert
Die Studienergebnisse sind auch für die Schweiz als exportorientierte und international vernetzte Volkswirtschaft von Bedeutung. Schweizer Unternehmen spüren globale Entwicklungen direkt in Lieferketten, regulatorischen Anforderungen, Investitionsentscheiden und digitalen Transformationsprogrammen.
«Das Tempo der Veränderungen zwingt Unternehmen dazu, Risiken früher einzubeziehen und als festen Bestandteil strategischer Entscheidungen zu betrachten. Risikomanagement entwickelt sich zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor», sagt Marc Sollberger.
Die Studie zeigt zudem: Widerstandsfähige Unternehmen betrachten Risikomanagement nicht als Aufgabe einer einzelnen Fachabteilung, sondern als strategische Führungsaufgabe. So können Unternehmen Risiken frühzeitig erkennen und rechtzeitig reagieren.
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