September 8, 2026

Unter 17’000 Franken. Und genau das ist die Story.

Der neue Dacia Spring will Elektromobilität nicht grösser, stärker oder komplizierter machen – sondern bezahlbar. Dahinter steckt eine erstaunlich unternehmerische Frage: Was braucht der Kunde wirklich? Und wofür sollte ein Unternehmen besser kein Geld ausgeben?

 

Von Antje-Katrin Schaniel – Text und Bilder

 

Die Autoindustrie liebt das Mehr. Mehr Reichweite. Mehr Leistung. Mehr Displays. Mehr Assistenz. Und meistens: mehr Preis. Dacia macht beim neuen Spring etwas, das in Unternehmen erstaunlich schwierig geworden ist: Die Marke fragt nicht zuerst, was sie noch hinzufügen kann. Sondern was der Kunde tatsächlich braucht.

 

 

Das Resultat ist die zweite Generation des Spring. Komplett neu entwickelt, auf der RG-EV-Small-Plattform der Renault Group und künftig im slowenischen Novo Mesto gebaut. 60 kW beziehungsweise 80 PS, 27,5-kWh-LFP-Batterie, bis zu 250 Kilometer WLTP-Reichweite.

 

Und dann ist da diese Zahl: 16’790.– Franken. Nicht für ein Lockangebot, sondern der Einstiegspreis für den neuen Dacia Spring expression in der Schweiz.

 

 

FIRST, THE PRICE.

 

Wie schafft man das in Europa?

 

Katrin Adt, CEO von Dacia, beschreibt beim Roundtable einen Ansatz, der beinahe wie umgekehrte Produktentwicklung klingt: Nicht erst entwickeln und anschliessend überlegen, welchen Preis der Kunde dafür bezahlen muss. Sondern zuerst fragen: Wofür will der Kunde bezahlen? Was kann er bezahlen?

 

 

Der neue Spring sei innerhalb von nur 16 Monaten entwickelt worden, sagt Adt. Dabei helfen die Plattform- und Technologie-Synergien innerhalb der Renault Group. Aber sie allein erklären das Geschäftsmodell nicht.

 

Die eigentliche Disziplin heisst: weglassen.

 

DESIGN BY BUDGET

 

Wie konsequent das gemeint ist, zeigt David Durand, Chief Designer von Dacia.

 

„We start with the price.“

 

 

Beim Designteam steht von Beginn an fest, welches Budget beispielsweise für Leuchten oder andere Komponenten zur Verfügung steht. Will Durand an einer Stelle grössere Räder, muss an einer anderen kompensiert oder eine intelligentere Lösung gefunden werden.

 

Sein schönes Beispiel dafür: Chrom.

 

Früher hatte Chrom eine Funktion – es schützte Stahl vor Rost. Heute werde es teilweise teuer auf Kunststoff aufgebracht. Durands Frage lautet deshalb sinngemäss: Warum dieses Geld nicht dort investieren, wo der Kunde tatsächlich etwas davon hat?

 

Vielleicht in einen grösseren Bildschirm. Oder bessere Proportionen.

 

 

Denn genau dort hatte der erste Spring ein Problem. Er war günstig und brachte viele Menschen erstmals zur Elektromobilität – seit 2021 wurden mehr als 210’000 Exemplare verkauft. Gleichzeitig, sagt Durand, habe man potenzielle Kunden verloren, denen das Auto zu klein, zu fragil und in seinen Proportionen nicht überzeugend genug erschien.

 

Der Neue ist deshalb breiter, robuster und soll vor allem eines ausstrahlen: Seriosität.

 

 


SPRING IN 10 SECONDS

 

CHF 16’790.–
Spring expression, Schweiz

 

CHF 18’790.–
Spring journey, Schweiz

 

250 km
WLTP-Reichweite

 

 

80 PS / 60 kW

 

27,5 kWh
nutzbare LFP-Batteriekapazität

 

28 Min.
DC-Schnellladen von 15 auf 80 %

 

337 l
Kofferraum

 

ab 1’212 kg

 

12,7 kWh/100 km
WLTP-Verbrauch


 

 

THE 34-KILOMETRE QUESTION

 

Noch interessanter wird Dacias Rechnung beim Blick auf die tatsächliche Nutzung.

 

Spring-Fahrer legen laut Connected-Daten durchschnittlich 34 Kilometer am Tag zurück – bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ebenfalls 34 km/h. In 75 Prozent der Fälle wird zuhause geladen.

 

 

Adt beschreibt den typischen Einsatz deshalb weniger als reines City-Car-Szenario: Pendeln aus dem Speckgürtel, Schule, Arbeit, Einkauf, kurze Strecken im ländlichen Raum. Bei diesem Fahrprofil kann eine Batterieladung für eine Arbeitswoche reichen.

 

Und plötzlich stellt sich eine ziemlich unbequeme Produktfrage: Warum soll dieser Kunde eine riesige Batterie bezahlen, die er im Alltag kaum benötigt?

 

 

Genau darin liegt die unternehmerische Logik des Spring: Nicht maximal mögliche Technologie verbauen, sondern möglichst präzise auf einen realen Use Case entwickeln.

 

WHAT IS IT BRINGING TO THE CUSTOMER?

 

Auch Durand formuliert diese Denkweise bemerkenswert einfach: Bei möglichst jedem Bauteil soll die Frage gestellt werden, was es dem Kunden bringt.

 

Das bedeutet nicht, dass der neue Spring spartanisch daherkommt. In der Ausstattung «journey» gibt es beispielsweise einen 10,1-Zoll-Touchscreen, Navigation und vernetzte Dienste. Der Kofferraum fasst bis zu 337 Liter, mit umgeklappter Rückbank 1’283 Liter.

 

 

Was er nicht hat?

 

Durand bringt es im Gespräch wunderbar auf den Punkt:

 

„Okay, you don’t have karaoke.“ Das Smartphone lässt sich trotzdem verbinden. Und vielleicht steckt genau darin mehr Unternehmensstrategie, als es zunächst scheint.

 

 

THE BOTTOM LINE

 

Dacia trifft mit dieser Strategie auf einen Markt, in dem der Wettbewerb aus Asien schnell wächst. Adt macht im Gespräch keinen Hehl daraus, dass man diese Entwicklung ernst nimmt. Gleichzeitig verweist sie auf Faktoren, die über den Kaufpreis hinausgehen: Reparierbarkeit, Markenstabilität, Vertriebsnetz und Restwert.

 

 

Der Spring versucht deshalb gar nicht, jedes Elektroauto zu sein. Er will eine ziemlich klar definierte Aufgabe möglichst gut und möglichst günstig erledigen.

 

Vielleicht ist das die interessanteste Lektion dieses kleinen Autos für Unternehmer: Innovation muss nicht immer bedeuten, etwas hinzuzufügen.

 

Manchmal beginnt sie mit der Frage, was man guten Gewissens weglassen kann.

 

 

 


 

About Senza

 

Antje-Katrin Schaniel ist eine Schweizer Autorin, Fotografin und Content Creatorin und Social Storytellerin aus Zürich; ursprünglich aus Graubünden. Zudem zeichnet sie für das Magazin «DONNA Senza» als Editor-in-Chief und als Co-Heraugeberin. Unter dem Namen @senzcamedi teilt sie auf Instagram seit 2018 Inhalte rund um Luxury Travel, gehobene Gastronomie, Fashion, Beauty, Drives und Lifestyle. Ihr Fokus liegt darauf, besondere Orte, Kulinarik und grosse und schnelle Maschinen. Im Zentrum: Erlebnisse visuell hochwertig und atmosphärisch einzufangen. Senza positioniert sich im Premium-Segment von Instagram – mit einem editorialen, fast magazinartigen Ansatz. Ihre Inhalte wirken kuratiert, ruhig und hochwertig, was sie von klassischen, stärker werblichen Profilen stark unterscheidet.

 

Die Autorin, Selbstporträt.

 

Senzas Stil folgt dem Prinzip «Luxury isn’t loud» – sie inszeniert Luxus subtil, emotional und über Atmosphäre statt über reine Statussymbole. Die ausgebildete Lokführerin versteht sich nicht als Influencerin, sondern als Geschichtenerzählerin, die Reisen, Orte und Erlebnisse in narrative Bilderwelten übersetzt. Neben High-End-Erlebnissen zeigt sie bewusst auch Natur, Tiere und ruhige Momente – ein Spannungsfeld zwischen Eleganz und Erdung.

 

Mit «SENZA» – und dem Magazin «DONNA Senza» baut die Chefredaktorin eine klare Markenidentität auf, die für ein Gefühl von Stil, Ruhe und bewusstem Genuss steht – weniger Konsum, mehr Erlebnis. Ihre Meinung vertritt sie pointiert – und stets mit klarer Haltung.

 


 

 

 

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